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Ursprünglich - so war es jedenfalls zu Anfang geplant - wollten wir unseren Lebensabend ja ohne weitere berufliche Aktivitäten in Småland verleben. Für mich kam eine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen sowieso nicht mehr in Frage.
Anfang 2006 aber war das für Hildegard doch nicht ausreichend - ist ja auch verständlich, wer mag schon mit so einem eigenwilligen Gruftie wie mir ständig zusammenhocken. Denn während ich mich mit meinen Hobbys und überhaupt ganz gut selber beschäftigen (oder auch einfach mal gar nichts tun) kann, so hat es sie doch in den Fingern gejuckt - sie wollte wieder raus, zusätzlich was anderes, neues machen. Nicht zuletzt auch wegen weiterer Kontakte - nur Haushalt ist ja nun auch nicht unbedingt so prickelnd, also Unterhaltung auch mit anderen Menschen, Abwechslung - wie jeder aktive Mensch es halt möchte. Und ein Zusatzverdienst ist ja ebenfalls nicht schlecht, also warum nicht. Für mich ist/war dabei aber auch wichtig, dass es ihr Spaß macht, auch ich mich damit als zum Geschirrspüler mutierten Teilhausmann wohl fühle und ihre Arbeit bei uns beiden nicht in unnötigen Stress und somit in Unmut ausartet.
Also meldete sie sich erneut - wir hatten den Versuch ja schon mal im Oktober 2002 für drei Monate gemeinsam unternommen - beim nächsten SFI-Kurs in Hultsfred an und zog diesen bis August 2007 durch - Ergebnis war die bestandene Nationalprovning. Sie war und ist damit der schwedischen Sprache weitgehendst in Wort und Schrift mächtig, jedenfalls soweit, dass es für eine Arbeitsaufnahme ausreichte .
Da Hildegard keinen körlapp (Fahrerlaubnis) hat spielte ich den Taxifahrer - spiele ihn heute noch. Die vier Fahrten á 15 Km pro Arbeitstag kann sie, seit sie arbeitet, erfreulicherweise steuerlich geltend machen, da auch keine passende Busverbindung vorhanden ist und absehbar auch nicht vorhanden sein wird.
Von einer Bekannten aus dem SFI-Kurs - sie kommt aus Südosteuropa und war damals schon mit einem Schweden liiert - erhielt Hildegard nach der Sprachprüfung den Hinweis, dass evtl. für sie eine Arbeitsstelle in Hultsfred vorhanden sei; eine Mejerie hatte sich dort niedergelassen und suchte Arbeitskräfte. Anfangs verstanden wir nicht so recht, was sie eigentlich wollte, aber eine gemeinsame deutsche Bekannte rief ein paar Wochen später an und fragte Hildegard: Warst Du schon da? Erstaunen - aber dann die Erklärung, Hildegard stellte sich also dort vor und erhielt zum August 2007 einen befristeten Arbeitsvertrag .
Den ersten Monat normal arbeiten (80:- SEK/Std. brutto), quasi als Einweisung in die Tätigkeiten, dann über die Arbetsförmedling ein Praktikum (176:- SEK/Tag netto), dann den ersten Probevertrag über drei Monate (80:- SEK/Std. brutto), anschließend einen Probevertrag bis Ende März 2008 (80:- SEK/Std. brutto), danach einen weiteren bis Ende Dezember 2008 mit gleicher Bezahlung - zum 01. Januar 2009 dann den unbefristeten Festvertrag über 75%, also 30 Stunden die Woche (100:- SEK/Std., später 109:- SEK/Std. brutto).
Man muss viel Geduld aufbringen
In unserer Kommune werden 34% Steuern einbehalten, in denen aber mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung alle Abgaben wie Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. enthalten sind. Inzwischen sind weitere Einstellungen in der Mejerie erfolgt - und da bei ggf. erforderlichen betriebsbedingten Kündigungen hier in Småland - wohl in ganz Schweden - gilt, dass der/die zuletzt Eingestellte zuerst wieder gehen muss, hat Hildegard wohl nicht so schnell mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes zu rechnen. Im übrigen hat sie jetzt eine mehrmonatige Kündigungsfrist.
Mit dem Festvertrag (mit 24 Arbeitstagen Jahresurlaub) kamen bei uns natürlich auch Überlegungen bzgl. der Arbeitslosenversicherung auf - also im Januar 2009 erst einmal der allgemeinen A-Kassa (Arbetslöshetskassa) beigetreten; Beitrag anfangs 350:- SEK/mtl., bis Januar 2010 über 450:- SEK/mtl. dann 410:- SEK/mtl. mit Anspruch auf Arbeitslosengeld nach einem Jahr Mitgliedschaft bzw. Beitragszahlung.
Nach Gesprächen mit Arbeitskollegen und entsprechenden Informationen ist sie zum 01. März 2010 dann der Gewerkschaft (faket) beigetreten, die ebenfalls eine Arbetslöshetskassa beinhaltet. Der Gewerkschaftsbeitrag beläuft sich auf knapp 600:- SEK/mtl., darin sind der Beitrag für die Arbetslöshetskassa mit knapp 300:- SEK/mtl. wie auch einige für uns eher unwichtige Versicherungen enthalten. Also die normale A-Kassa zum Ende Februar 2010 gekündigt und die bisherigen Beitragszeiten anrechnen lassen, so dass bei der gewerkschaftlichen Arbetslöshetskassa keine neuen Wartezeiten entstanden.
Nach einigen Querelen mit dem (neuen) Personalchef, der u.a. den bereits genehmigten Jahresurlaub 2010 von Hildegard drei Tage vor Beginn von sich aus eben mal so verlegte, kam dann - direkt nach einer Krankschreibung Hildegards - von ihm ein neuer Arbeitsvertrag mit lediglich 9 Std/Woche, gültig ab 01.09.2010, der nach eindringlichem Einreden und auch mit psychischem Druck seinerseits auf Hildegard von ihr unterschrieben worden ist - ihr Protest hatte keinen Erfolg, sie ist über den Tisch gezogen worden, denken wir. Wir wussten damals nicht, dass wir innerhalb von 14 Tagen gegen diesen neuen Vertrag angehen mussten, um ihn rückgängig zu machen.
Wir haben dann im Oktober 2010 die Gewerkschaft eingeschaltet - letztendlich aber ohne Erfolg, es war zu spät. Der Personalchef wurde von der Gewerkschaft zwar offensichtlich angezählt, auch aufgrund anderer Personalentscheidungen von ihm, aber es konnte für uns nichts mehr rückgängig gemacht werden. Und da sich das Arbeitsklima nun insgesamt - nicht nur für Hildegard - arg verschlechtert hat sucht sie was Neues und hat erst mal neben ihrer Arbeit bei der Mejerie ein Praktikum angenommen, welches vielleicht zu einem neuen respektive zusätzlichen festen Arbeitsplatz führt. Behalten will sie aber den ja immerhin recht sicheren Arbeitsplatz bei der Mejerie, schon wegen der Rente.
Nach dieser unangenehmen Erfahrung müssen wir leider feststellen, dass sich auch hier in Schweden die moderne Sklaverei, wie wir sie aus Deutschland kennen, mehr und mehr durchsetzt, es also auch hier nicht mehr so sozial zugeht, wie wir es bis dahin erleben durften.
Nun, man muss auch damit klar kommen - wir haben ja glücklicherweise meine Pension und kommen damit eigentlich ganz gut zurecht. Wir haben uns zwar geärgert, auch über uns selber, aber durch die ganze Geschichte nicht aus der Ruhe bringen lassen - das Leben geht weiter.
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