Hanjo 2008
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Chronisch krank?

Na klar, es ist sicher jedem bekannt, dass man nicht jünger wird und sich bei vielen Menschen im Laufe der Jahre das eine und andere Zipperlein einstellt. Mich wundert es nur manchmal, dass viele daraus ein Geheimnis machen. Ich kann es andrerseits nachvollziehen, denn auch ich bin auf Menschen gestoßen, die kein Verständnis dafür aufbringen wollen, dass es anderen gesundheitlich nicht so gut geht und der Meinung sind, jeder müsse auch weiterhin und ständig physische und psychische Höchstleistungen erbringen. Nicht Mitleid, aber mehr Verständnis und Toleranz Kranken gegenüber ist angesagt, meine ich.

Selber Schuld ?

Ich will ja gar nicht verhehlen, dass es zu großen Teilen am eigenen Lebenswandel liegt, der viele der Krankheiten verursacht. Ich denke aber, der Lebenswandel hat sehr viel mit den an einen gestellten Anforderungen seitens der Gesellschaft, insbesondere seitens der Arbeitswelt zu tun - und die sind selten gesundheitsfördernd bzw. -erhaltend, ihnen ist auch nicht jeder gleichermaßen gewachsen. Rücksicht auf die Gesundheit des Mitarbeiters wird nicht genommen, Produktivität ist wichtiger; hohe Krankenstände und vorzeitige Verrentungen machen das überdeutlich (diese werden aber recht einfach und pauschal den Drückebergern zugeschrieben, die es andrerseits sicher auch gibt). Meines Erachtens ist es der übergroße psychische Druck seitens der Chefs, der auf sich bereits krank und unwohl fühlende Menschen lastet. Das ist seit langem bekannt, ändern tut sich aber nichts - trotz des daraus resultierenden Kostendrucks der Krankenversicherungen.

Diabetes und Hypertonie

1989 wurde bei mir anlässlich einer alle drei Jahre durchzuführenden Kraftfahrzeug-Tauglichkeits- Untersuchung der Diabetes mellitus (Typ II) festgestellt. Es setzte umgehend die medikamentöse Behandlung, es stellten sich aber auch bald einige der typischen Folgeerscheinungen wie Sehschwäche, Schulterschmerzen, Stoffwechselstörungen usw. ein.

Seit 1996 machte sich dann zusätzlich eine artielle Hypertonie mit Manifestation hypertensitiver Krisen bemerkbar, die dann nach dem ersten Notarzteinsatz zu monatelanger Krankschreibung führte und letztendlich - nach langwierigen Untersuchungen und Behandlungen, einer mehrwöchigen Kur in einer Psychosomatischen Klinik und einem weiteren Notarzteinsatz - im Oktober 1998 zu meiner vorzeitigen Pensionierung aus gesundheitlichen Gründen und bei mir zu erneuten, sogar verstärkten Depressionen führte.

Anlässlich unserer Absicht, Deutschland zu verlassen, kamen natürlich auch bzgl. der ärztlichen Versorgung Überlegungen auf. Mein Stoffwechsel wie auch mein Blutdruck waren zwar im Jahre 2002 gut eingestellt, auch von Depressionen keine Spur mehr, aber ständige ärztliche Kontrollen sowie auch die notwendige Medikamentierung waren und sind natürlich weiterhin erforderlich.

Konnte das auch in Småland funktionieren ? Und was kostet mich das dort?

Natürlich habe ich mit meinem Arzt, Hildegard war beabsichtigt dabei, gesprochen und ihn nach seiner Meinung bzgl. meines Gesundheitszustands wie auch nach der entsprechenden schwedischen ärztlichen Versorgung gefragt, über die ich aber vorher bereits im Internet schon einiges Allgemeines gelesen hatte. Beides, so meinte er, stehe unserem Umzug nicht im Wege.

Ich ließ mir von ihm ein Gutachten mitgeben, das über meine gesundheitliche Vorgeschichte wie auch über die derzeitige Therapie Auskunft gab. Ich hoffte, auch der småländische Arzt konnte mit den überwiegend in lateinischer Sprache gehaltenen Begriffen genug anfangen, um die bisherige Therapie guten Gewissens ohne Änderungen fortsetzen zu können. Ich sammelte dazu auch alle Unterlagen, die über meine Medikamente Auskunft gaben und übergab alles beim ersten Besuch bei der nächstgelegenen vårdcentral an den schwedischen Arzt, spannungsgeladen, was der nun tun würde.

Es lief wie erhofft.

Der Arzt untersuchte mich, prüfte auch Blut und Urin und übernahm dann das Gutachten in seinen Dator (PC), so dass es dort auch für Folgeuntersuchungen anderer Ärzte abrufbar ist (und auch über meine Patientenkord nachvollzogen werden kann). Auch die Medikamente (damals ebenfalls von jeder Apotheke über meine Apothekenkarte kostenmäßig nachlesbar, heute geht’s über die Personennummer) verschrieb er mir genau so, wie ich sie bereits bekommen hatte, es wurden keine Überlegungen bzgl. Kosten oder anderer Art getätigt. Meine Therapie läuft hier ganz normal weiter, ich fühle mich gut damit. Und von Hypertonie habe ich hier bis heute noch nichts wieder gemerkt, ich kann mich hier aber auch ganz gut von psychischem Stress fern halten - Småland eben.

Alle 6 Monate soll man sich als Diabetiker ärztlich kontrollieren lassen, was ich seit unserem Hiersein wiederholt gemacht habe. Eine diabetessköterska befand bisher jedes mal, dass sich meine Werte nicht verschlechtert haben, wies mich auch verantwortungsbewusst darauf hin, dass ich mich doch mehr körperlich bewegen solle, um meinem Adipositas Herr zu werden. Nun ja, der Geist ist willig, doch der Körper schwächer, als ihm gut tut.

Ich bin und bleibe nun wohl immer ein bewegungsunlustiger Schreibtischtäter.

Ich hatte mir zur dauerhaften Überprüfung meines Blutzuckers vor Jahren in Deutschland ein Blutzucker-Messgerät gekauft, die Kosten wie auch die Folgekosten (Teststreifen und Lanzetten) wurden seitens der Krankenversicherungen nicht erstattet. Aufgrund der anderen Berechnungseinheit in Schweden brauchte ich hier aber ein neues Gerät - und bekam es kostenlos von der vårdcentral, einschließlich der Teststreifen und Lanzetten. Seit April 2008 muss ich nun Insulin spritzen - auch dafür erhielt ich das Gerät, die Nadeln wie auch das Insulin im Rahmen des normalen Eigenanteils.

Für die Medikamente muss ich (Stand 2010) einen Eigentanteil im Jahr von maximal 1800:- SEK aufbringen, der spätestens bei der zweiten Anschaffung aufgebraucht ist. Pro Arztbesuch fallen 80:- oder 150:- SEK an, aber auch nur bis zu maximal 900:- SEK im Jahr (Hinweis: Die Eigenanteile variieren von Län zu Län).

Ende 2007 wurde dann bei mir - nach Schmerzen hinter dem Brustbein und früher Atemnot bei geringster körperlichen Belastung - auch noch eine Angina Pectoris diagnostiziert; meine Herzkranzgefäße sind wohl auch nicht mehr so in Ordnung, wie sie sein sollten. Auch hier reagierte der Arzt unserer vårdcentral umgehend, machte ein Ruhe-EKG, ließ im Krankenhaus auch ein Belastungs-EKG durchführen, erläuterte mir, um was es sich handelt, gab Hinweise (Rauchen aufhören, mehr bewegen) und verschrieb mir zusätzlich ein Nitropräparat. Ich wollte mich wieder mit mehr kontinuierlicher Bewegung anfreunden - langsam beginnend.Gebühren etc.

Aber das ging nicht so einfach, wie ich es mir vorstellte, die Schmerzen verstärkten sich und der Arzt der vårdcentral verordnete mir für Ende September 2008 ein erneutes Belastungs-EKG, aus dem sich eine Überweisung in das Krankenhaus in Kalmar zu einer Herzkatheder-Untersuchung ergab. Dort stellte man Ende Oktober 2008 fest, dass eine der drei Röhren verstopft ist, die beiden anderen dagegen relativ frei sind. Der sofortige Versuch, die Verstopfung zu lösen und einen Stent zu setzen, schlug aber fehl. Eine erneute Untersuchung 2 Wochen später war dann umfassender und es stellte sich heraus, dass sich bereits neue Herzkranzgefäße gebildet hatten und eine Stent-Legung wie auch eine Beipass-OP mehr schaden als nützen würde, denn - so sagte der untersuchende Arzt - ein direktes Herzinfarkt-Risiko bestehe bei mir derzeit nicht. Die derzeitige Medikamentierung sei ebenfalls OK.

Man kann über das schwedische Gesundheitssystem - aufgrund bekanntgewordener persönlicher Erfahrungen anderer in anderen Läns - sicher einiges Kritische sagen, auch stimmt, dass es hier, neben längeren Anfahrten für einen Notarzteinsatz, manchmal auch lange Terminvorgaben und ganz sicher auch gute wie schlechte Ärzte gibt, wie überall auf der Welt. Für mich aber kann ich feststellen, dass ich hier im Kalmar Län bis heute eine gute professionelle ärztliche Behandlung erfahren habe, insbesondere keine besserwisserischen Methoden und Kurzabspeisungen. Alle terminlich vorher festgelegten Untersuchungen und Behandlungen verliefen ohne übermäßig lange Wartezeiten, ohne Zeitdruck und mit vielen Fragen und Antworten. Nach einem kleineren Notfall (2 Finger zerquetscht, offene Wunden) wurde ich in der vårdcentral umgehend behandelt, obwohl zu gleicher Zeit ein weiterer Notfall (Messerschnitt) eintraf.

Ich habe das Gefühl, dass ich hier gut versorgt und in guten Händen bin.

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