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Die Geschichte mit der Fahrerlaubnis
Nach meiner vorzeitigen von mir nicht beabsichtigten Pensionierung bin ich u.a. meinen persönlichen Hobbys und Interessen intensiver nachgegangen als vorher, so dass eigentlich nie das Gefühl des Überflüssig-Seins bei mir aufkam. Da meinte eines schönen Tages ein guter Freund, dass ich doch ganz gut mit Taxifahren ne Mark-Fuffzig dazu verdienen könnte, Zeit genug hätte ich doch.
Nun, kein Otto-Normal-Verbraucher hat jemals genug Geld. Irgendwelche Wünsche bleiben immer offen - ich meine, das ist auch gut so. Und so nahm ich die Angelegenheit in Angriff. Antrag hier, Antrag dort, Führungszeugnis, Passbild usw., dazu auch eine verkehrsmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung, die ab dem 50. Lebensjahr erforderlich ist. Alles kein Problem? So dachte ich auch.
Ich lebe seit Jahren mit Alters-Diabetis und Bluthochdruck und war damit in meines Erachtens guter ärztlicher Behandlung, insbesondere nach meiner Pensionierung. Ein Facharzt für Verkehrsmedizin aber sah das ganz anders und stellte anhand seiner verkehrsmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchung fest, dass ich aufgrund meines - seiner Meinung nach - desolaten Gesundheitszustandes nicht nur keinen Personenbeförderungsschein erhalten dürfe, sondern auch meine allgemeine Fahrerlaubnis abgeben müsse - und das nach über 30 Jahren unfallfreien Fahrens.
Ach je, das was dann ja wohl ein Eigentor.
Aber gut, wer kann schon gegen solche Verwaltungsakte erfolgreich angehen, wenn nicht ein anderer Medizinmann. Und so ging ich mit dem Gutachten zu meinem damaligen Hausarzt, der mich bereits viele Jahre betreut hatte. Er war etwas erstaunt über das Gutachten seines Kollegen, handelte aber und passte die Therapie erneut an.
Nach sechs Monaten dann eine erneute Untersuchung und siehe da, mein Stoffwechsel und auch mein Blutdruck waren nun bestens eingestellt. Und so nahm ich mein Begehren wieder auf und stellte den Antrag auf Neuerteilung meiner Fahrerlaubnis wie auch auf Ausstellung eines Personenbeförderungsscheins. Das war zwar offensichtlich neu für das zuständige Straßenverkehrsamt, aber nach eigenem intensiven Studium der damals neuen EU-Fahrerlaubnis-Verordnung, etlichen Telefonaten und Hinweisen per Fax klappte es dann doch.
Zehn Monate ohne Lappen, fast alles mit dem Fahrrad, weniges zu Fuß, größere Fahrten mit dem Taxi erledigt. Ich habe es überlebt. Interessant dabei waren aber auch die Fragen der Freunde und Bekannten. Beinahe alle gingen (und gehen vielleicht auch noch) davon aus, dass es das Fahren unter Alkoholeinfluss gewesen sei, das zu dem Verlust meiner Fahrerlaubnis geführt hatte. Aber denkste, ganz anders, aber trotzdem sehr dumm gelaufen.
Bis Januar 2001 habe ich meine Pension geringfügig durch den selbstverständlich angemeldeten Nebenjob Taxifahren erhöht. Nicht zu viel, denn alles, was über einen bestimmten Betrag an zusätzlichem Verdienst hinausgeht, wird mir von der Pension aufgrund eines wahrlich sehr motivierenden Gesetzes abgezogen. Und wer verschenkt schon gern etwas, wenn es nicht von Herzen kommt.
Dann allerdings wurde der Stress zu viel, nicht mit den Kunden oder dem Fahren, nein, die selbsternannte Chefin hatte - nicht nur mir gegenüber - an allem etwas auszusetzen. Also habe ich aufgehört mit dem Taxifahren, denn die Story mit dem überflüssigen Stress, der von anderen Menschen an mich herangetragen wird, die kannte ich zur Genüge und wollte sie keinesfalls noch einmal erleben.
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