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Die Geschichte vom Nordlandfieber (Febris borealis)
Diese nicht meldepflichtige "Erkrankung" schlägt nach kurzer Inkubationszeit erbarmungslos zu. Ansteckungsgefährdet ist glücklicherweise nur ein bestimmter Personenkreis, der einen oder mehrere Risikofaktoren auf sich vereint. Die Anzahl der natürlich Immunen ist aber sehr hoch. Wer volle Strände und 40 Grad Lufttemperatur als erstrebenswert ansieht, wird sich in der Regel nicht anstecken. Sehr gefährdet aber sind alle Eigner von Canadiern, Kajaks, oder anderen Wassergefährten. 
Wer dann noch gerne wandert und oder Rad oder Ski fährt und auch noch ein Naturfreund ist, hat ein besonders hohes Ansteckungsrisiko. Liebt er dann auch noch einsame Landschaften, ist er kaum zu retten. Die Ansteckung erfolgt häufig im Lande selbst, Überträger sind aber auch Filme, Bildbände, Fotos und Reiseliteratur.
Auch der direkte Kontakt mit schon "Erkrankten" kann, z.B. allein durch Erzählungen, zur Ansteckung führen. Die Symptome treten das ganze Jahr über auf und sind sehr vielfältig. Anfälle werden oft durch häufiges und andauerndes Landkartenstudium eingeleitet. Das Lesen von Reiseführern, Reisebeschreibungen und das Anschauen der Fotos vom Vorjahr vertieft häufig die Krise. Linderung schafft letztendlich nur die Buchung einer Fähre oder eines Fluges Richtung Norden. Im Lande der Ansteckung ist man meistens beschwerdefrei.
Das Nordlandfieber gilt als schwer bis gar nicht heilbar und führt bei vernünftiger Lebensweise bis ins hohe Alter zu vielen eindrucksvollen Erlebnissen und Eindrücken.
Schweden kann man nicht erklären, Schweden muss man erleben
Francois de la Rochefoucauld hat einmal gesagt, in einer Liebesbeziehung lässt einer lieben und der andere liebt. In der Beziehung zu einem Land dürfte sich etwas Ähnliches abspielen, vor allem dann, wenn es sich bei diesem Land um eine kühle, nordische Schönheit handelt.
Schweden lässt sich lieben. Wie Mona Lisa lächelt Schweden. Selbstvergnügt und ironisch weiß sich dieses Land im Norden Europas erhaben über alle Anbiederungsversuche. Stolz paart sich mit Eigenliebe, jeder Eroberungsversuch mit Gewalt wird hochmütig abgewiesen, während echte Liebe, scheu an die Erwählte herangetragen, sehr wohl wenn schon nicht auf Gegenliebe, so doch auf freundlich erhabene, gutmütig ertragene Anerkennung stoßen wird.
Ebenso wie Mona Lisa Zeit ihres Bestehens Laien ebenso wie Fachleute fasziniert und aufgerüttelt hat, so fordert Schweden seine Besucher heraus. Es gibt schöne Länder, fremde Kulturen und freundliche Menschen anderswo, das Wetter im Norden ist nicht immer ideal und auch sonst gibt es einiges zu bemäkeln. Schweden ist sich dessen bewusst und tut nichts dagegen. Solche äußerlichen Flecken dringen nicht bis zum Herzen durch. Wer kennt schon die Seele der Mona Lisa? Wer sagt, dass der Liebende unbedingt auf Gegenliebe stoßen will? Ist nicht doch derjenige der Glücklichere, der liebt, als jener, der lieben lässt?
Schwedenurlauber gehören daher auch nicht zur allgemeinen Kaste des homo touristicus. Sie sind eher jener Sorte abenteuerlustiger Forschungsreisender zuzurechnen, die sich dem Wahlspruch eines Lord Byron verschrieben haben: "Tired of home, of wife, of children tired, the restless spirit is driven abroad to roam".
Es ist nicht der alltägliche Urlaub, den sich der Reisende im Norden Europas erwartet. Endlose Weiten, Abstände, wie wir sie im dicht besiedelten Europa gar nicht mehr gewohnt sind und vor allem ein unendlicher Himmel, der "Big Sky" von Schweden, ziehen den Besucher in den Bann, verzaubern ihn und lassen ihn nie wieder los. 
Und Schweden wird weiter lächeln - ewig unergründlich wie Mona Lisa - und sich lieben lassen. Aber diese Liebe wird hundertfach vergolten werden, denn varium et mutabile semper femina.
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